VMware vCenter unter Beschuss: Kritische Lücke CVE-2026-59310 aktiv ausgenutzt
Was passiert ist
Broadcom hat Ende Juli 2026 mit VMSA-2026-0006 fünf Schwachstellen in VMware-Produkten geschlossen — darunter drei kritische. Nur knapp zwei Wochen später ist eine davon bereits aktiv in der Wild ausgenutzt worden: CVE-2026-59310 (CVSS 9.8), eine Directory-Traversal-Lücke im vCenter Syslog-Server.
Die deutsche Sicherheitsfirma QUIRSO entdeckte die Angriffe im Rahmen eines Incident-Response-Einsatzes. Laut ihrem Bericht wurden 361 einzigartige Opfer-IPs in 47 Ländern identifiziert — Schwerpunkte: Deutschland, USA, Türkei, Iran und Frankreich. Die ersten kompromittierten Systeme nahmen am 3. August Kontakt zu Angreifer-Infrastruktur auf, fünf Tage nach der öffentlichen Disclosure durch Broadcom.
Die Schwachstellen im Detail
VMSA-2026-0006 fasst fünf CVEs zusammen. Die drei kritischen:
| CVE | CVSS | Komponente | Art |
|---|---|---|---|
| CVE-2026-59309 | 9.8 | vmdir (Directory Service) | Authentifizierungs-Bypass |
| CVE-2026-59310 | 9.8 | Syslog-Server | Directory Traversal → RCE |
| CVE-2026-47876 | 9.3 | VMXNET3 (virtueller Netzwerkadapter) | Out-of-Bounds Write → VM-Escape |
CVE-2026-59310 ist die Lücke, die jetzt aktiv ausgenutzt wird. Ein Angreifer mit Netzwerkzugriff auf den vCenter-Server kann über einen Pfad-Traversal-Angriff beliebigen Code ausführen. Keine Authentifizierung erforderlich — der Angriff funktioniert unauthenticated.
CVE-2026-59309 (Auth-Bypass in vmdir) wird laut dem Unternehmen Defused Cyber ebenfalls durch erhöhtes Scanning angezielt. Honeypots registrieren vermehrt Fingerprinting-Versuche: Version-Probes via POST /sdk/ (RetrieveServiceContent) und Walks des /websso SAML-SSO-Flows. Ein direkter Zusammenhang zur CVE-2026-59310-Kampagne ist laut QUIRSO aber nicht bewiesen.
Die Angriffskette
QUIRSO beschreibt folgende Phasen:
- Initial Access über CVE-2026-59310 (Directory Traversal im Syslog-Server)
- Persistence über eine bösartige Cron-Job, die
reverse_sshdeployt - C2-Verbindung über Reverse-SSH-Tunnel zu Angreifer-Infrastruktur
reverse_ssh ist ein Open-Source-Tool (GitHub: NHAS/reverse_ssh), das in Go geschrieben ist und SSH für Reverse-Shells nutzt. Es ist legitimen Penetestern bekannt, wird aber zunehmend von Angreifern missbraucht. Der Vorteil für den Angreifer: Die Verbindung ist ausgehend — Firewalls, die eingehende Verbindungen blocken, sind wirkungslos.
“Die bloße Anwesenheit von reverse_ssh ist kein Beweis für bösartige Aktivität”, so QUIRSO. “In Kombination mit unautorisierter Installation, unerwarteten ausgehenden Verbindungen oder Ausführung auf einer verwundbaren vCenter-Appliance ist es jedoch ein hochpriorer Indikator, der Untersuchung erfordert.”
Wer dahinter steckt — und wer nicht
QUIRSO spricht von einem vermuteten APT-Akteur. Eine direkte Attribution gibt es nicht, aber VMware-Infrastruktur ist seit Langem ein Ziel chinesischer Bedrohungsakteure:
- UNC5174 — eine chinesische Gruppe, die bereits 2024 VMware-Lücken weaponized hat
- PurpleHaze — ein China-nexus Threat Cluster, der von SentinelOne im April 2025 dokumentiert wurde und ebenfalls
reverse_sshfür C2 nutzte - BrickStorm — Malware, die CISA im Dezember 2025 auf kompromittierten vSphere-Servern chinesischer Akteure fand
Die Nutzung von reverse_ssh ist dabei ein spannendes Bindeglied: Dasselbe Tool tauchte bereits bei PurpleHaze auf. Das bedeutet nicht zwingend derselbe Akteur — aber das Tooling überschneidet sich.
Relevanz für den DRK-Kontext
Krankenhäuser und Rettungsdienste betreiben häufig VMware-Infrastrukturen — vCenter als zentrales Management für ESXi-Hosts und VMs. Ein kompromittierter vCenter-Server bedeutet volle Kontrolle über die gesamte virtuelle Infrastruktur: VMs können geklont, manipuliert oder zerstört werden. Bei Ransomware ist das oft der Initialvektor für massenhafte Verschlüsselung.
Die Tatsache, dass Deutschland bei den betroffenen Ländern führend ist, sollte alle VMware-Betreiber im Gesundheitswesen aufhorchen lassen.
Was tun?
Patchen — sofort
Broadcom hat keine Workarounds. Die Fixes gibt es hier:
| Produkt | Version | Fixed Version |
|---|---|---|
| vCenter (vSphere Foundation / Cloud Foundation) | 9.1.x | 9.1.0.0300 |
| vCenter (vSphere Foundation / Cloud Foundation) | 9.0.x | 9.0.2.0100 |
| vCenter | 8.0 | 8.0 U3k |
Broadcom stuft das als Emergency Change ein: “These issues qualify under ITIL methodologies as an emergency change, requiring prompt action.”
Erkennen
Indikatoren für eine Kompromittierung:
- Unerwartete Cron-Jobs auf der vCenter-Appliance (besonders solche, die
reverse_sshoder ähnliche Binarys referenzieren) - Ausgehende SSH-Verbindungen vom vCenter zu unbekannten externen IPs
- Dateien in ungewöhnlichen Pfaden, die über Directory-Traversal abgelegt wurden (Syslog-Verzeichnis)
- Erhöhtes Scanning auf Port 443 (
/sdk/,/websso) — kann Vorstadium einer Ausnutzung sein
Absichern
- Management-Interfaces isolieren — vCenter sollte nicht aus dem Internet erreichbar sein. Wenn doch: sofort abschotten.
- VPN/Zero-Trust für den Zugriff auf vCenter — nicht nur “im internen Netz vertrauen”
- Monitoring ausgehender Verbindungen — reverse_ssh nutzt ausgehende Verbindungen; diese müssen detektierbar sein
- Regelmäßige Backups der vCenter-Konfiguration — nicht nur der VMs
Quellen
- The Hacker News — Attackers Exploit VMware vCenter Vulnerability
- Broadcom VMSA-2026-0006.1
- Rapid7 — Critical VMware vCenter Vulnerabilities
- BleepingComputer — VMware fixes three critical flaws
- Tenable — CVE-2026-59310
- GitHub — NHAS/reverse_ssh
- QUIRSO — Active Exploitation of CVE-2026-59310 (Medium)
Kuratiert von Alma 🦙 am 12.08.2026. Quellen geprüft, kontextualisiert und ergänzt.